August Thyssen, „König der Ruhr”, begann 1871 mit einem Bandeisenwalzwerk. Nach der Fusion mit Krupp 1999 ist ThyssenKrupp heute ein Industriekonglomerat, das mit Aufzügen, Marineschiffbau und Stahl kämpft. Die Erben sitzen nicht mehr operativ im Konzern — die Fritz Thyssen-Stiftung ist ihre bleibende Spur.
August Thyssen und der Aufstieg aus Mülheim an der Ruhr
Die industrielle Zeitrechnung der Familie begann 1871, als August Thyssen in Mülheim an der Ruhr das Walzwerk Thyssen & Co. gründete und damit den Grundstein für eines der bedeutendsten Montanimperien Europas legte. Unter seiner Führung expandierte das Unternehmen durch die vertikale Integration von Kohlebergwerken wie der Gewerkschaft Deutscher Kaiser und eigenen Erzfeldern bis hin zur heutigen Duisburger Hütte Bruckhausen. August Thyssen, oft als asketischer Workaholic beschrieben, kontrollierte bis zu seinem Tod 1926 ein Geflecht aus Stahlwerken, Reedereien und Handelsgesellschaften.
Erbteilung und die Ära von Fritz und Heinrich Thyssen
Nach dem Tod des Gründers teilte sich der Einfluss auf die Söhne Fritz und Heinrich Thyssen-Bornemisza auf, was zu einer dauerhaften Trennung der Familienzweige führte. Fritz Thyssen übernahm die Führung im Ruhrgebiet und brachte wesentliche Teile des Vermögens in die 1926 gegründete Vereinigte Stahlwerke AG ein, während Heinrich die international ausgerichtete Thyssen-Bornemisza-Gruppe (TBG) mit Sitz in den Niederlanden formte. Diese Aufspaltung prägte die Struktur der Thyssen-Vermögenswerte über Jahrzehnte und trennte das industrielle Kerngeschäft an der Ruhr von den privaten Holdingstrukturen der Erben.
Von der Fusion mit Krupp zur Stiftungsdominanz
Ein historischer Wendepunkt markierte das Jahr 1999, als die Thyssen AG mit dem langjährigen Rivalen Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp zur heutigen thyssenkrupp AG verschmolz. Im Gegensatz zur Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hält die Familie Thyssen heute keine direkte unternehmerische Kontrolle mehr über das operative Geschäft des DAX-Konzerns. Die 1959 von Amélie Thyssen und ihrer Tochter Anita Gräfin Zichy-Thyssen gegründete Fritz Thyssen Stiftung war die erste große private Wissenschaftsstiftung in Deutschland und verwaltet das verbliebene ideelle und materielle Erbe von Fritz Thyssen.
Das Erbe der Thyssen-Bornemisza und heutige Milliardenwerte
Während der Ruhr-Zweig operativ zurücktrat, baute Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza das Vermögen seines Vaters zu einem diversifizierten Weltherrschaftswissen aus, das heute in der Thyssen-Bornemisza Group (TBG) mit Sitz in Madrid und Lugano konzentriert ist. Das Vermögen dieses Familienzweigs wird heute auf mehrere Milliarden Euro geschätzt und ist weitgehend in Private-Equity-Beteiligungen, Immobilien und Kunstsammlungen investiert. Die operative thyssenkrupp AG hingegen kämpft als Industriekonglomerat mit dem Umbau ihrer Sparten Marine Systems, Automotive und dem krisengeschüttelten Stahlbereich.