Historische Marken · Nr. 30

Beate Uhse

Pionierin des deutschen Erotik-Versandhandels und -Einzelhandels. Nach der Insolvenz 2017 wird der Name nur noch punktuell lizenziert.

Vom Aufklärungsheft zum Weltkonzern in Flensburg

Die ehemalige Pilotin Beate Uhse legte 1946 mit der 'Schrift X' den Grundstein für ihr Imperium, indem sie Frauen Tipps zur Empfängnisverhütung in der Nachkriegszeit gab. Aus dem schlichten Ratgeber entwickelte sich in Flensburg das weltweit erste Versandhaus für Ehehygiene, das trotz heftiger gesellschaftlicher Widerstände und zahlreicher Strafverfahren die sexuelle Revolution im deutschen Einzelhandel maßgeblich mitgestaltete.

Fachgeschäft für Ehehygiene und ikonische Katalogkultur

Im Jahr 1962 eröffnete Uhse in Flensburg das erste stationäre Erotikfachgeschäft der Welt und brach damit endgültig das Tabu des öffentlichen Verkaufs von Intimartikeln. Zu den Produktikonen gehörten neben den klassischen Präservativen vor allem die massiv beworbenen Reizwäsche-Kollektionen und Kataloge, die in den 1970er und 1980er Jahren in Millionenauflage direkt in bundesdeutsche Haushalte geliefert wurden.

Börsengang und der Wandel zur Lifestyle-Marke

Unter der Führung von Ulrich von Horix-Uhse wagte das Unternehmen im Mai 1999 den Sprung an die Frankfurter Börse, wobei die Aktie zum Start mehrfach überzeichnet war. In dieser Hochphase expandierte der Konzern aggressiv in Europa, übernahm Wettbewerber wie den niederländischen Pabo-Versand und versuchte, das verstaubte Sexshop-Image durch modernisierte Boutiquen in deutschen Innenstädten abzustreifen.

Digitale Disruption und der Weg in die Insolvenz

Der Niedergang begann mit der verspäteten Reaktion auf den kostenlosen Pornografie-Konsum im Internet, der das Kerngeschäft mit DVDs und Magazinen massiv unter Druck setzte. Hohe Schulden aus der Expansion und ein Management, das den Anschluss an E-Commerce-Riesen wie Amazon verpasste, führten im Dezember 2017 schließlich zum Insolvenzantrag der Beate Uhse AG beim Amtsgericht Flensburg.

Markenverwertung durch das niederländische Konsortium

Nach der Zerschlagung des Konzerns sicherte sich die niederländische Firmenholding EDC Retail, die heute unter dem Namen EQOM Group firmiert, die Namensrechte an der Traditionsmarke. Während die physischen Filialen fast vollständig verschwunden sind, wird der Schriftzug 'Beate Uhse' heute primär als White-Label-Marke für Online-Shops und Lizenzprodukte im europäischen Raum weitergeführt.