Historische Marken · Nr. 06

Grundig

„Grundig” stand für Rundfunk- und Fernsehgeräte „Made in Germany” — 1979 europäischer Marktführer bei Videorekordern (Video 2000). Nach Insolvenz 2003 wanderte die Marke an Arçelik. Heute erscheinen Grundig-Geräte in Elektromärkten neben Beko — mit dem historischen Unternehmen hat das nichts mehr zu tun.

Vom Radio-Vertrieb zum RF-Radiogerät aus Fürth

Die Erfolgsgeschichte begann 1930 im fränkischen Fürth, als Max Grundig unter dem Namen 'Radio-Vertrieb Fürth' ein Ladengeschäft für Funkempfänger eröffnete. Den entscheidenden Durchbruch erzielte das Unternehmen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem 'Heinzelmann', einem Röhrenradio-Bausatz, der die strikte Bewirtschaftung der Siegermächte unterwanderte. Im Jahr 1948 folgte das erste reguläre Radio unter dem neuen Markennamen Grundig, was den Standort Fürth zur Metropole der deutschen Unterhaltungselektronik beförderte.

Glanzzeiten mit dem Video 2000 und dem Wirtschaftswunder

In den 1950er und 1960er Jahren stieg Grundig zum größten Rundfunkgerätehersteller Europas auf und prägte mit Modellen wie dem Musikschrank 'Konzertschrank' das bundesdeutsche Wohnzimmer. Ein technologischer Meilenstein war die Einführung des Video-System-2000 im Jahr 1979, bei dem die Kassetten beidseitig bespielbar waren. Trotz der technischen Überlegenheit gegenüber den japanischen Konkurrenzformaten VHS und Betamax konnte sich die europäische Eigenentwicklung am Ende nicht am Weltmarkt durchsetzen.

Der langsame Abschied des Patriarchen und die Strukturkrise

Nachdem der Philips-Konzern bereits in den 1970er Jahren Anteile erworben hatte, übergab der Firmengründer Max Grundig 1984 die operative Leitung vollständig. In den 1990er Jahren geriet das Unternehmen durch den massiven Preisverfall in der TV-Produktion und den Siegeszug asiatischer Hersteller unter enormen Druck. Ein Rettungsversuch durch ein Bankenkonsortium und die bayerische Staatsregierung konnte die bilanzielle Schieflage nur kurzzeitig überdecken, bis im April 2003 schließlich der Insolvenzantrag gestellt wurde.

Die Marke Grundig unter dem Dach von Arçelik

Nach der Zerschlagung des Traditionsunternehmens sicherte sich der türkische Koç-Konzern über seine Tochtergesellschaft Arçelik die Namensrechte im TV- und Audiobereich sowie später für die Haushaltsgeräte. Heute werden unter dem Grundig-Label überwiegend Fernseher, Kühlschränke und Waschmaschinen vertrieben, die in Werken in der Türkei produziert werden. Die Produktpalette teilt sich oft die technische Basis mit der Schwestermarke Beko, wobei Grundig im Elektrofachhandel meist als die höherwertige Lifestyle-Marke positioniert wird.