Historische Marken · Nr. 08

Kaiser's Kaffee / Tengelmann

Deutschlands älteste Lebensmittel-Einzelhandelsmarke — die letzten Kaiser's-Filialen wurden 2016 nach einem umkämpften Ministererlaub (Sigmar Gabriel) an Edeka und Rewe verteilt. Die Marke selbst wird nicht mehr am Markt geführt; die Tengelmann-Familie ist weiter im Spiel.

Von der Viersener Kaffeerösterei zum Filialpionier

Die Geschichte von Kaiser’s Kaffee Geschäft begann 1880, als Hermann Josef Kaiser in Viersen seine erste Dampf-Kaffeerösterei eröffnete und damit den Grundstein für den organisierten Lebensmittel-Einzelhandel legte. Schon vor 1900 expandierte das Unternehmen rasant und etablierte ein flächendeckendes Filialnetz, das den Kaffeeanbieter zur damals größten Kaffeerösterei des europäischen Kontinents machte. Die markante rote Kaffeekanne auf gelbem Grund wurde schnell zum Symbol für bürgerliche Qualität und Frische im gesamten Kaiserreich.

Die Ära Tengelmann und die Fusionierung der Markenriesen

Im Jahr 1971 übernahm die Traditionsgruppe Tengelmann aus Mülheim an der Ruhr unter der Leitung von Erivan Haub die Mehrheit an der Kaiser’s Kaffee Geschäft AG. Durch diesen Zusammenschluss entstand ein Branchenriese, der die Marke Kaiser’s vor allem im Berliner Raum und im Rhein-Main-Gebiet als Premium-Nahversorger positionierte. Während Tengelmann im Westen eher unter eigenem Namen auftrat, blieb Kaiser's die tragende Säule in der Hauptstadt und sicherte sich dort über Jahrzehnte hinweg eine dominante Marktstellung.

Zermürbungskampf und der umstrittene Ministerentscheid

Ab dem Jahr 2000 geriet das Filialnetz zunehmend durch Discounter unter Druck, was zu massiven operativen Verlusten im mittleren dreistelligen Millionenbereich führte. Der Rettungsplan sah den Verkauf an Edeka vor, wurde jedoch 2015 durch das Bundeskartellamt aufgrund wettbewerbsrechtlicher Bedenken untersagt. Erst die politisch hochumstrittene Ministererlaubnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ebnete 2016 den Weg für die Zerschlagung und Aufteilung der rund 450 Filialen zwischen Edeka und Rewe.

Vom Händler zum strategischen Investor der Haub-Dynastie

Mit dem Verschwinden der letzten Kaiser’s-Logos im Jahr 2017 endete die über 130-jährige Geschichte der Marke im deutschen Straßenbild endgültig. Die Familie Haub konzentriert sich seither unter dem Dach der Tengelmann-Holding auf ihre Rolle als strategischer Investor und kontrolliert Beteiligungen an Giganten wie Kik und OBI sowie verschiedene Venture-Capital-Projekte. Das klassische Lebensmittelgeschäft, das mit der Röstkunst von Hermann Josef Kaiser begann, ist heute vollständig aus den operativen Büchern verschwunden.