Unterhaltungselektronik der Wirtschaftswunderzeit; heute Marken-Lizenz eines italienischen Distributors.
Von der Pforzheimer Apparatebau zum Radio-Pionier
Die Wurzeln der Marke reichen zurück ins Jahr 1899, als Carl Lorenz in Berlin die C. Lorenz AG gründete, während in Pforzheim die G. Schaub Apparatebau-Gesellschaft an Bedeutung gewann. Nach dem Zweiten Weltkrieg fusionierten diese Zweige unter dem Dach der Standard Elektrik Lorenz (SEL), einem Tochterunternehmen des US-Giganten ITT, was 1955 zur Geburtsstunde des Markennamens Schaub-Lorenz führte. In den Werkshallen im Schwarzwald entstanden Geräte, die technische Präzision mit dem aufstrebenden Designanspruch der jungen Bundesrepublik verbanden.
Ikonen der Wirtschaftswunderzeit: Touring und Illustra
Schaub-Lorenz prägte die deutsche Wohnzimmerkultur maßgeblich durch das tragbare Weltempfänger-Radio 'Touring', das aufgrund seiner Empfangsqualität und Robustheit zum Statussymbol für Reisende avancierte. Ebenso revolutionär war die 'Illustra'-Serie, die als eine der ersten volltransistorisierten Farbfernsehgeräte-Reihen in Europa galt und Designpreise gewann. In der Hochphase der 1960er Jahre beschäftigte SEL an Standorten wie Pforzheim und Altena tausende Mitarbeiter, um die enorme Nachfrage nach Unterhaltungselektronik zu bedienen.
Der Preisdruck durch die fernöstliche Konkurrenz
Ab Mitte der 1970er Jahre geriet Schaub-Lorenz durch die aggressive Preispolitik japanischer Hersteller massiv unter Druck. Die hohen Produktionskosten am Standort Deutschland und die verzögerte Anpassung an vollautomatisierte Fertigungsprozesse führten zu schrumpfenden Marktanteilen. Trotz technischer Innovationen konnte die Muttergesellschaft ITT die Verluste im Geschäftsbereich Audio-Video nicht mehr auffangen, was 1988 schließlich zum Verkauf der Unterhaltungselektronik-Sparte an den französischen Konzern Thomson-Brandt führte.
Lizenzgeschäft unter italienischer Führung
Nachdem der Markenname jahrelang in den Archiven von Thomson verschwand, erwarb die italienische General Trading (später GHL Group) die Rechte an Schaub-Lorenz. Heute wird der Name primär als Lizenzmarke für Haushaltsgroßgeräte wie Retro-Kühlschränke und Herde genutzt, die von externen Fabriken in Osteuropa oder Asien gefertigt werden. Das aktuelle Sortiment hat keine technologische Verbindung mehr zur ursprünglichen Schwarzwälder Ingenieurskunst, sondern setzt auf die emotionale Strahlkraft des historischen Logos.