Historische Marken · Nr. 20

Schering AG

Pharmakonzern (Antibaby-Pille, Multiple-Sklerose-Präparate). Nach einer feindlichen Übernahmeschlacht 2006 durch Merck KGaA setzte sich Bayer als weißer Ritter durch — der Name Schering verschwand.

Vom Berliner Apothekenlabor zum Weltmarktführer

Die Erfolgsgeschichte begann 1851, als Ernst Schering die Grüne Apotheke in der Berliner Chausseestrasse übernahm und zur Chemischen Fabrik auf Actien ausbaute. Das Unternehmen spezialisierte sich früh auf hochreine Photochemikalien und pharmazeutische Wirkstoffe, womit es den Grundstein für den Berliner Industriestandort im Wedding legte. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Schering zu einem der bedeutendsten Namen der deutschen Exportwirtschaft.

Anovlar und die sexuelle Revolution

Im Jahr 1961 schrieb Schering Medizingeschichte, als das Unternehmen mit Anovlar die erste Antibabypille auf den europäischen Markt brachte. Dieses Präparat veränderte nicht nur die gesellschaftlichen Strukturen weltweit, sondern machte Schering über Jahrzehnte zum unangefochtenen Marktführer im Bereich der Hormone und der Frauengesundheit. Später folgten weitere Meilensteine wie das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon, das die Marktposition im Bereich hochspezialisierter Therapeutika festigte.

Die feindliche Attacke aus Darmstadt

Der Wendepunkt in der Konzerngeschichte trat im März 2006 ein, als die Merck KGaA völlig überraschend ein feindliches Übernahmeangebot in Höhe von rund 14,6 Milliarden Euro vorlegte. Das Schering-Management unter Hubertus Erlen wies die Offerte als deutlich unterbewertet zurück und suchte fieberhaft nach einer Alternative zur Zerschlagung. Diese Abwehrschlacht markierte das Ende der Eigenständigkeit eines der letzten großen unabhängigen Pharmawerte im DAX.

Bayer als Weißer Ritter und das Ende der Marke

In einem spektakulären Bietergefecht trat die Bayer AG als rettender weißer Ritter auf und bot schließlich 16,5 Milliarden Euro für die Berliner. Nach der erfolgreichen Übernahme im Jahr 2006 wurde die Pharmasparte als Bayer Schering Pharma AG neustrukturiert, bevor der traditionsreiche Name Schering im Jahr 2011 endgültig aus dem Firmenregister getilgt wurde. Heute erinnert in Berlin vor allem das Areal an der Müllerstraße sowie die Schering Stiftung an das Erbe des Gründers.