Deutsche Marken · Nr. 66

ZF Friedrichshafen

Zahnradfabrik am Bodensee; nach Übernahme von TRW und WABCO drittgrößter Autozulieferer der Welt. Mehrheitlich Zeppelin-Stiftung.

Von Luftschiff-Zahnrädern zur globalen Systemarchitektur

Die Geschichte der ZF Friedrichshafen AG begann 1915 unter der Ägide von Ferdinand von Zeppelin, um präzise Getriebe für die Luftschifffahrt zu fertigen. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte die strategische Neuausrichtung auf die Automobilindustrie, wobei das Unternehmen durch Innovationen wie das Aphon-Getriebe früh Standards setzte. Heute agiert der Konzern als Weltmarktführer in der Antriebs- und Fahrwerktechnik und transformiert sich massiv hin zur Elektromobilität.

Dominanz durch strategische Akquisitionen von TRW und WABCO

Durch die spektakulären Übernahmen des US-Konzerns TRW Automotive im Jahr 2015 und des Bremssystem-Spezialisten WABCO im Jahr 2020 katapultierte sich ZF in die Riege der drei größten Autozulieferer weltweit. Diese Zukäufe ermöglichten die Integration von Sensorik, Elektronik und Aktuatorik in ein geschlossenes System für das automatisierte Fahren. Damit hat sich das Unternehmen erfolgreich vom reinen Mechanik-Experten zum Anbieter komplexer digitaler Fahrzeugsysteme entwickelt.

Stabilität durch die Zeppelin-Stiftung und Stadtbesitz

Eine Besonderheit im deutschen DAX-Umfeld ist die Eigentümerstruktur, da 93,8 Prozent der Anteile von der durch die Stadt Friedrichshafen verwalteten Zeppelin-Stiftung gehalten werden. Die verbleibenden 6,2 Prozent liegen bei der Udo- und Anette-Brand-Stiftung, was dem Konzern eine hohe Resistenz gegen kurzfristige Kapitalmarkteinflüsse verleiht. Dieser Aufbau sichert langfristige Investitionen in Forschung und Entwicklung an Standorten wie dem Forschungszentrum in Pilsen oder dem Hauptsitz am Bodensee.

Technologische Meilensteine von der 8HP-Automatik bis zum ProAI

Das 8-Gang-Automatgetriebe (8HP) gilt als eines der erfolgreichsten Produkte der Markengeschichte und kommt bei Premiumherstellern wie BMW, Audi und Stellantis zum Einsatz. Mit dem Supercomputer 'ZF ProAI' adressiert das Unternehmen zudem die Rechenleistung, die für autonomes Fahren auf Level 4 notwendig ist. Unter dem Claim 'Motion Control' bündelt ZF heute Softwarelösungen, die mechanische Komponenten intelligent vernetzen.