Größte Pleiten · Nr. 35

Loewe (Ergänzung)

Traditions-TV-Hersteller aus Kronach; mehrere Insolvenzen, aktuell mit Fokus auf Premium-Nische überlebt.

Der Preisdruck asiatischer LCD-Panel-Produzenten

Loewe geriet 2013 erstmals massiv unter Druck, da das Unternehmen als reiner Assemblierer von Zukauf-Komponenten gegen die vertikale Integration von Riesen wie Samsung oder LG kaum bestehen konnte. Die Fixkosten am Traditionsstandort Kronach blieben hoch, während die Preise für Standard-Flachbildfernseher durch Überkapazitäten im asiatischen Raum rapide sanken. Trotz einer frühen Ausrichtung auf Smart-TV-Funktionen fehlte der oberfränkischen Manufaktur die nötige Skalierung im Massenmarkt.

Rettung durch Stargate Capital und die Liquiditätslücke 2019

Nach dem ersten Schutzschirmverfahren 2013 übernahm der Investor Stargate Capital das Ruder, konnte jedoch die Abhängigkeit von externen Panel-Lieferanten und die schwindenden Margen nicht dauerhaft kompensieren. Im Mai 2019 musste die Loewe Technologies GmbH erneut Eigenverwaltung anmelden, nachdem Gespräche über Anschlussfinanzierungen scheiterten. Die Produktion im Werk Kronach wurde zum 1. Juli 2019 vorerst komplett eingestellt, was den Verlust von rund 400 Arbeitsplätzen zur Folge hatte.

Insolvenzverwalter Römermann und der Neustart durch Skytec

Der profilierte Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß aus der Kanzlei WallnerWeiss begleitete das Verfahren, während der Gläubigerausschuss nach einem finanzstarken Partner suchte. Ende 2019 sicherte sich die zypriotische Investmentgesellschaft Skytec Group Ltd. die Markenrechte und Teile des Inventars. Unter der Führung von Vladislav Khabliev wurde das Unternehmen als Loewe Technology GmbH neu aufgestellt, wobei der Fokus konsequent auf das Luxussegment und OLED-Technologie verschoben wurde.

Wiederbelebung der Fertigung in Oberfranken

Im Gegensatz zu vielen anderen Traditionsmarken, die nach einer Insolvenz zur reinen Lizenzhülle wurden, hält Loewe am Standort Kronach fest. Dort wurde eine neue Montagelinie für die Premium-Modelle der Serien bild v und bild s sowie die Audiolinie klang etabliert. Die Belegschaft ist mit deutlich unter 200 Mitarbeitern zwar wesentlich kleiner als in den 2000er Jahren, doch die Strategie zielt nun auf technologische Exzellenz statt auf Marktanteile.