Größte Pleiten · Nr. 44

Signa Deutschland / Signa Prime

Zusammenbruch des Immobilienimperiums René Benkos, mit Auswirkungen u. a. auf Galeria und deutsche Prestige-Immobilien.

Zinsschock und das Ende der Benko-Expansion

Der Zusammenbruch der Signa Prime Selection und der Signa Holding im Jahr 2023 markiert die größte Firmenpleite der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Nach Jahren aggressiven Wachstums brachten die rasante Zinswende der EZB und explodierende Baukosten das komplexe Geflecht aus über 1.000 Gesellschaften des Gründers René Benko zu Fall. Die intransparente Finanzierungsstruktur und massive Abwertungen im Immobilienportfolio entzogen der Gruppe schließlich die notwendige Liquidität für laufende Großprojekte.

Baustopps an Elbtower und Prestige-Objekten

Sichtbarstes Zeichen der Krise war der Baustopp am 245 Meter hohen Hamburger Elbtower im Herbst 2023, nachdem Signa die Zahlungen an das Bauunternehmen eingestellt hatte. Auch in anderen deutschen Metropolen wie Berlin beim Projekt am Alexanderplatz oder in München bei der Alten Akademie kamen die Kräne zum Stillstand. Diese prestigeträchtigen Filetstücke der Signa Prime versinnbildlichen das Scheitern einer Strategie, die auf ewig steigenden Immobilienwerten in Top-Lagen basierte.

Kettenreaktion für Galeria Karstadt Kaufhof

Die Insolvenz der Signa-Dachgesellschaften riss die ohnehin angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof Anfang 2024 erneut in die Knie. Durch den Wegfall vertraglich zugesicherter Finanzspritzen von Signa musste der Konzern zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre einen Insolvenzantrag stellen. Betroffen waren hiervon rund 12.800 Arbeitsplätze und dutzende Standorte in deutschen Innenstädten, für die unter den Insolvenzverwaltern Arndt Geiwitz und Stefan Denkhaus neue Lösungen gesucht wurden.

Zerschlagung durch Insolvenzverwalter und Notverkäufe

Insolvenzverwalter wie Christopher Seagon und Torsten Martini koordinieren seither die Verwertung der deutschen Signa-Assets, um die Milliardenforderungen der Gläubiger zumindest teilweise zu bedienen. Erste Erfolge zeichneten sich durch den Verkauf von Immobilien wie dem Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe an die thailändische Central Group ab. Das einst stolze Imperium wird nun systematisch zerschlagen, wobei die Komplexität der internen Darlehen die Abwicklung zu einem jahrelangen juristischen Prozess macht.