Am 18. September 2015 zwang die US-Umweltbehörde EPA Volkswagen zum Eingeständnis: Millionen Diesel-Fahrzeuge liefen mit einer Software, die im Prüfstand andere Werte lieferte als auf der Straße. CEO Martin Winterkorn trat zurück, VW zahlte weltweit über 32 Mrd. Euro.
Die Entdeckung durch das ICCT und die EPA-Mitteilung
Der Skandal nahm seinen Lauf, als Forscher der West Virginia University im Auftrag des International Council on Clean Transportation (ICCT) bei Fahrtests extreme Abweichungen der Stickoxidwerte feststellten. Am 18. September 2015 veröffentlichte die US-Umweltbehörde EPA die 'Notice of Violation', welche Volkswagen öffentlich der gezielten Manipulation überführte. Das Herzstück des Betruges war eine Software-Funktion in der Motorsteuerung, die den Testzyklus auf dem Rollenprüfstand erkannte und nur dort die Abgasreinigung voll aktivierte.
Rücktritte in Wolfsburg und die Rolle von Bosch
Wenige Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe trat der langjährige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn zurück, betonte jedoch, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein. In die Ermittlungen geriet auch der Zulieferer Bosch, der die Softwarekomponenten für die betroffenen Motoren der Typen EA 189 und EA 288 geliefert hatte. Die interne Aufarbeitung unter den Nachfolgern Matthias Müller und später Herbert Diess legte eine tief verwurzelte Kultur des Schweigens innerhalb des VW-Konzerns offen.
Milliardenstrafen und der US-Vergleich
In den USA einigte sich VW bereits 2016 auf einen massiven Vergleich, der Rückkäufe und Entschädigungen für betroffene 2.0-Liter- und 3.0-Liter-Dieselmotoren vorsah. Die Gesamtkosten für den Konzern summierten sich durch Bußgelder, Anwaltskosten und zivilrechtliche Vergleiche auf über 32 Milliarden Euro. Besonders hart traf es die Marken Audi und Porsche, die aufgrund ihrer V6- und V8-Dieselaggregate ebenfalls in den Fokus der Staatsanwaltschaft gerieten.
Strafprozesse gegen Stadler und Winterkorn
Die juristische Aufarbeitung führte 2023 zu einem historischen Urteil gegen den ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler, der wegen Betrugs durch Unterlassen zu einer Bewährungsstrafe und einer Millionenauflage verurteilt wurde. Der Prozess gegen Martin Winterkorn verzögerte sich aufgrund seines Gesundheitszustands mehrfach und begann erst im September 2024 vor dem Landgericht Braunschweig. Zudem mussten sich zahlreiche Ingenieure und Manager vor US-amerikanischen und deutschen Gerichten für die Entwicklung der 'Defeat Devices' verantworten.
Nachwirkungen für den Motorentyp EA 189
Weltweit waren rund elf Millionen Fahrzeuge von den Manipulationen betroffen, was eine beispiellose Rückrufaktion zur Aktualisierung der Software auslöste. In Deutschland ebnete der Skandal den Weg für die erste Musterfeststellungsklage, bei der der Verbraucherzentrale Bundesverband einen Vergleich für rund 240.000 Kunden aushandelte. Der Fall markierte einen Wendepunkt in der Strategie von Volkswagen und forcierte den radikalen Schwenk hin zur Elektromobilität unter der ID-Modellfamilie.