Skandale · Nr. 29

Kirch-Krise

Nach Äußerungen von Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer im Fernsehen brach das Kirch-Medien-Imperium zusammen; die Deutsche Bank zahlte Jahre später Millionen an die Erben.

Das verhängnisvolle Interview bei Bloomberg TV

Im Februar 2002 löste der damalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, am Rande eines Weltwirtschaftsforums eine beispiellose Kettenreaktion in der deutschen Medienlandschaft aus. In einem TV-Interview äußerte er öffentlich Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers Leo Kirch und erklärte, dass der Finanzsektor dem Konzern keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen wolle. Diese Worte wirkten wie ein Brandbeschleuniger für die ohnehin angespannte finanzielle Situation des Kirch-Imperiums.

Zusammenbruch der Kirch-Gruppe und des Pay-TV-Ziels

Infolge des massiven Vertrauensverlustes bei den Gläubigerbanken meldete die Kirch Media im April 2002 Insolvenz an, gefolgt von der Dachgesellschaft TaurusHolding und dem Pay-TV-Sender Premiere. Hauptgrund für die Schieflage waren die astronomischen Kosten für Bundesligarechte und Filmrechtepakete aus Hollywood, die nicht durch entsprechende Abonnentenzahlen gedeckt wurden. Leo Kirch verlor durch den Zusammenbruch die Kontrolle über sein Lebenswerk, das über Jahrzehnte den deutschen Fernsehmarkt dominiert hatte.

Juristischer Marathon durch alle Instanzen

Leo Kirch machte die Deutsche Bank und Rolf Breuer persönlich für den Untergang seines Konzerns verantwortlich und leitete umfangreiche Schadensersatzklagen ein. Die juristischen Auseinandersetzungen zogen sich über zwölf Jahre und beschäftigten zahlreiche Gerichte bis hin zum Bundesgerichtshof. Die Klägerseite argumentierte, die Bank habe die Zahlungsunfähigkeit gezielt herbeigeführt, um lukrative Beratungsmandate bei einer späteren Zerschlagung des Konzerns zu erhalten.

Milliardenvergleich und späte Entschädigung

Lange nach dem Tod von Leo Kirch im Jahr 2011 einigte sich die Deutsche Bank im Jahr 2014 schließlich mit den Erben auf einen weitreichenden Vergleich. Das Geldinstitut zahlte eine Summe von rund 925 Millionen Euro zuzüglich Zinsen, was das Gesamtvolumen auf über eine Milliarde Euro erhöhte. Damit endete einer der teuersten Rechtsstreitigkeiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte, der das Verhältnis zwischen Medienmacht und Bankensektor nachhaltig prägte.