Mehrere Landesbanken verspekulierten sich in Fremdwährungs- und Schifffahrtskrediten; Steuerzahler und Sparkassen mussten Milliarden zuschießen.
Die SachsenLB und das irische Dublin-Karussell
Im August 2007 geriet die sächsische Landesbank als erstes deutsches Opfer in den Sog der US-Subprime-Krise, nachdem ihre Zweckgesellschaft 'Ormond Quay' in Dublin den Zugang zum Geldmarkt verlor. Vorstandschef Herbert Süß musste miterleben, wie das Institut durch Fehlspekulationen mit forderungsbesicherten Wertpapieren am Rande des Kollapses stand. Ein Rettungspool der Sparkassen-Finanzgruppe und die Notübernahme durch die LBBW verhinderten die unmittelbare Pleite, führten jedoch zu Garantien des Freistaats Sachsen in Höhe von rund 2,75 Milliarden Euro.
Der langsame Niedergang der WestLB in Düsseldorf
Die einst mächtige WestLB verlor unter den Vorstandsvorsitzenden Thomas Fischer und später Alexander Stuhlmann Milliarden durch riskante Eigenhandelsgeschäfte und Beteiligungen. Besonders der Fall des Händlers Friedhelm Breuers, der eigenmächtig enorme Positionen in VW-Aktien aufbaute, symbolisierte die mangelhafte Risikokontrolle des Instituts. Im Jahr 2012 wurde die Bank schließlich zerschlagen, wobei die Problemaktiva in die Abwicklungsanstalt EAA übertragen wurden, was den Steuerzahler schätzungsweise 18 Milliarden Euro kostete.
Schifffahrtskrise und Milliardenlöcher bei der HSH Nordbank
Die aus der Fusion der Hamburgischen Landesbank mit der Landesbank Schleswig-Holstein entstandene HSH Nordbank verspekulierte sich unter Dirk Jens Nonnenmacher massiv im Bereich der Schiffskredite. Durch den Einbruch des Welthandels nach 2008 wurden zehntausende Frachter zur Belastung, was die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein zu Kapitalinjektionen und Garantien von insgesamt 13 Milliarden Euro zwang. Nach jahrelangem Siechtum erfolgte 2018 der Verkauf an US-Finanzinvestoren wie Cerberus, womit erstmals eine Landesbank privatisiert wurde.
Juristische Aufarbeitung und Urteile gegen die Bankchef-Riegen
Die strafrechtliche Verfolgung konzentrierte sich unter anderem auf den Vorwurf der Untreue und Bilanzfälschung, wobei das Landgericht Hamburg 2014 im HSH-Prozess zunächst sechs Ex-Vorstände freisprach, was der BGH später teilweise aufhob. Dirk Jens Nonnenmacher wurde im Rahmen eines Vergleichs zur Zahlung von 1,2 Millionen Euro Schadenersatz verpflichtet, während Herbert Süß in Leipzig wegen unrichtiger Darstellung der Bankverhältnisse zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Erst im Jahr 2016 endeten viele der langjährigen Zivilprozesse durch Vergleiche zwischen den Ex-Managern und den jeweiligen Nachfolgeinstituten.