Skandale · Nr. 36

Steinhoff-Bilanzskandal

Bilanzfälschungen in Milliardenhöhe bei dem Möbelkonzern (u. a. Poco). Der Aktienkurs stürzte um 90 Prozent; deutsche Investoren erlitten Milliardenverluste.

Der dramatische Kollaps des Möbel-Giganten Steinhoff

Im Dezember 2017 erschütterte der Steinhoff-Skandal die internationale Finanzwelt, als Unregelmäßigkeiten in der Bilanz des zweitgrößten Möbelhändlers der Welt bekannt wurden. Der Konzern, zu dem in Deutschland die Discount-Kette Poco gehörte, musste die Veröffentlichung seines Jahresabschlusses verschieben und kündigte den Rücktritt des langjährigen CEO Markus Jooste an. Innerhalb weniger Tage vernichtete das Misstrauen der Anleger einen Börsenwert von rund 12 Milliarden Euro, was einem Kurssturz von über 90 Prozent entsprach.

Luftbuchungen und das Täuschungssystem um Markus Jooste

Interne Ermittlungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC ergaben später, dass über Jahre hinweg Vermögenswerte künstlich aufgebläht wurden, um Verluste zu verbergen. Durch ein komplexes Geflecht aus Briefkastenfirmen und fiktiven Transaktionen mit angeblich unabhängigen Dritten generierte die Führungsgruppe Scheingewinne in Höhe von etwa 6,5 Milliarden Euro. Im Zentrum stand dabei das Ziel, die Expansion des ursprünglich in Oldenburg verwurzelten Unternehmens auf Pump voranzutreiben.

Langwierige Aufarbeitung durch Staatsanwaltschaft und Justiz

Die juristische Aufarbeitung gestaltete sich aufgrund der Verflechtungen zwischen dem Holdingsitz in Amsterdam, dem operativen Zentrum in Südafrika und der deutschen Börsennotierung als äußert schwierig. In Deutschland erhob die Staatsanwaltschaft Oldenburg Anklage gegen mehrere Verantwortliche wegen Bilanzfälschung in Milliardenhöhe. Während Markus Jooste einer Festnahme in Südafrika durch Suizid im März 2024 entging, wurden andere Top-Manager wie der ehemalige Europachef bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Milliardenvergleich und das Ende an der Börse

Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten mit geprellten Investoren stimmten die Gläubiger im Jahr 2022 einem Vergleich in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro zu. Da das Unternehmen unter der massiven Schuldenlast von zuletzt über 10 Milliarden Euro nicht mehr sanierungsfähig war, wurde im Jahr 2023 die Liquidation und das Delisting von der Frankfurter Börse eingeleitet. Die einst stolze Steinhoff International Holdings verschwand damit fast vollständig von der Bildfläche, während die Tochtergesellschaften wie Pepco oder Mattresses Firm unter neuen Strukturen fortgeführt werden.